/Shutdown auch in der Berliner Wissenschaft erwartet

Shutdown auch in der Berliner Wissenschaft erwartet

Die Maßnahmen gegen die Ausbreitung der Corona-Pandemie in Deutschland werden immer drastischer, etwa durch die weitgehende Schließung von Geschäften. Auch die Berliner Universitäten bereiten sich darauf vor, all ihre Aktivitäten auf ein absolutes Mindestmaß herunterzufahren, nicht nur in der Lehre.

„Wir haben alle Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen gebeten, alles für den sogenannten Notbetrieb vorzubereiten“, sagte Wissenschaftsstaatssekretär Steffen Krach dem Tagesspiegel am Montagabend.

Der Notbetrieb trete ein, „wenn es zu weitergehenden Einschränkungen des öffentlichen Lebens in der gesamten Stadt kommt“, sagte Krach.

In den Instituten wird quasi stündlich mit der Ausrufung des Notbetriebs gerechnet. „Wir sind bereits größtmöglich mit allen Geräten heruntergefahren“, sagt Lars Merkel, der Verwaltungsleiter des Instituts für Chemie der Technischen Universität. Gestoppt worden seien beispielsweise Inkubatorenschüttler und Fermentationsreaktoren in biologisch ausgerichteten Arbeitskreisen.

Fragen und Antworten zum Coronavirus

Alle, die in der experimentellen Wissenschaft arbeiten – von Professoren über Doktoranden bis zu Bachelor- und Masterstudierenden -, würden davon besonders hart getroffen. Versuche etwa mit Mikroorganismen müssten abgebrochen und zu einem späteren Zeitpunkt wieder hochgefahren werden. Das koste Wochen bis Monate wertvoller Arbeitszeit – und womöglich auch die Drittmittel.

Einige Geräte müssten aber, auch wenn sie abgeschaltet sind, mit Stickstoff oder Helium gekühlt werden, sagt Merkel. Dazu erklärt Staatssekretär Krach, dass die „kritische Infrastruktur“ wie Rechenzentren oder die Gebäudesicherheit selbstverständlich aufrechterhalten bleiben müsse. Das gelte auch für Verwaltungsfunktionen wie die Auszahlung von Gehältern oder des Bafögs.

Zu den Arbeiten, die im Notbetrieb nicht gestoppt werden, gehöre auch die Corona-Forschung, etwa in Projekten der Charité und des Max-Delbrück-Centrums (MDC), sagt Krach. Klar ist auch, dass Versuchstiere weiter versorgt werden müssen.

MDC-Sprecherin Jutta Kramm betont, es gehe um „hochempfindliche, sehr teure und sehr wertvolle Forschung, die weiterlaufen muss“ – trotz der womöglich bevorstehenden Einstellung des regulären Forschungsbetriebs. Doch auch das MDC tue alles Notwendige, um seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu schützen und die Verbreitungswege des Coronavirus zu stoppen. Beispielsweise seien viele Mitarbeitende der Verwaltung im Homeoffice. „Auch Wissenschaft findet nicht nur im Labor statt“, sagt Kramm.

Die TU Berlin hatte ihre Forschenden bereits am Sonntag mit einem Infobrief auf den Notbetrieb vorbereitet. Sollten Geräte und sonstige technische Anlagen nicht schnell heruntergefahren werden können, „bereiten Sie sich umgehend auf einen solchen Fall der Stilllegung vor“, heißt es dort.

TU-Präsident Christian Thomsen wandte sich am Montagabend mit einer Video-Botschaft an die Hochschulangehörigen – zur Einstimmung auf den bevorstehenden Notbetrieb.


Wo trotzdem eine Vor-Ort-Betreuung nötig sei, sollten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dem Krisenstab des Präsidiums und der Fakultätsverwaltung mitteilen, wie viel Personal dazu gebraucht wird, heißt es im Infobrief. Begründete Ausnahmen werden dann beraten.

Verschieben und absagen müssen die Forschenden – außer allen Dienstreisen und Forschungsaufenthalten – auch sämtliche wissenschaftliche Untersuchungen und Experimente außerhalb der eigenen Universität.

Wer also mit anderen Hochschulen oder außeruniversitären Instituten kooperiert, muss diese Beziehungen und vor allem die Projekte nun vorerst auf Eis legen – oder per E-Mail, in Telefon- und Videokonferenzen aus dem Homeoffice fortsetzen.