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Was machen wir heute? Streaming-Vorschläge für den Samstag

Streaming-Tipps für Samstag, 2. Mai

Klassik-Tipp 1

Eine Wiese als Symbol für Unschuld und Reinheit, aber auch Natur als Metapher für die kreatürlichen, unkontrollierbaren Triebe, die in uns allen schlummen – so brachten Bühnenbildnerin Rebecca Ringst und Regisseur Barrie Kosky 2016 Peter Tschaikowskys Coming-of-Age-Oper „Jegeni Onegin“ auf die Bühne. Mit Günter Papendell als eitlem, eingebildeten Jungmacho Onegin, der sich erst Jahre später, wenn es zu spät ist, seiner Liebe zu Tatjana (Asmik Grigorian) bewusst wird. Seit Freitag ist die Produktion auf der Webseite der Komischen Oper als Stream verfügbar, und zwar noch bis 31. Juli.

Theater-Tipp

Das Berliner Theatertreffen wird dieses Jahr zwangsgestreamt – und stellt die Systemfrage: Wäre es nicht klüger, der durch Corona entstandenen Lücke erstmal Raum zu geben? Oder muss Theater unbedingt stattfinden, und sei es virtuell? „Stoppt das Streaming!“, so heißt die Grundsatzdebatte, die am Samstag um 18 Uhr Anne Lenk, Christian Römer, Christopher Rüping, Roman Senkl, Joana Tischkau führen werden, moderiert von Georg Kasch. Im Anschluss: Alice Birch‘ „Anatomie eines Suizids“, Katie Mitchells Inszenierung vom Deutschen Schauspielhaus Hamburg. „Mit klinischer Präzision inszeniert Katie Mitchell Alice Birchs Stück über tiefste Depression und Lebensangst, die über drei Generationen von Frauen weitergegeben wird und aus der ein Ausbrechen fast unmöglich scheint“, heißt es auf der Webseite der Berliner Festspiele.

Interaktive Karte

Performance-Tipp

„New Empathies“, so heißt die Programmreihe, die das Radialsystem 2019 gestartet hat, um die Praxis des (Mit-)Fühlens und seine Auswirkungen auf künstlerisches Arbeiten zu untersuchen. Doch wie kann Empathie gelebt werden in einer Situation, die von Distanzregeln geprägt ist? Aktuell wurde die Reihe deshalb umbenannt in „New Empathies – Far From A Distance“. An diesem Samstag gibt’s eine Online-Performance von Juan Dominguez. Die Ankündigung klingt vielversprechend: „Wir hören eine Stimme, ohne zu sehen wer spricht, weiblich, männlich, teils im Singular, teils im Plural, sie spricht zu sich selbst, fordert sich heraus, antwortet… In der Performance „My Only Memory“ im Rahmen der Online-Reihe „New Empathies – Far from a distance“ steht nicht das Körperlich-Visuelle im Vordergrund, sondern die Stimme und das Zuhören: Die Stimme, der wir lauschen, wird zum physischen Körper und der gesprochene Text zur Bewegung und Handlung des Stücks.“

Klassik-Tipp 2

Wer einmal ein Lecture-Konzerte von András Schiff besucht hat, der oder die wird sich an Abende von unerreichter Intensität erinnern. In seinem unnachahmlich ungarisch weichgeschliffenem Deutsch erläutert der Pianist die Werke und spielt auch immer gleich beispielhaft Auszüge daraus. 2018 widmete er sich den sechs Klavierpartiten von Johann Sebastian Bach, die dieser 1731 als sein Opus 1 veröffentlichte. Noch bis Sonntag 18 Uhr ist der Auftritt im Streaming-Programm „Intermission“ des Pierre Boulez Saals abrufbar. Zur Verfügung stehen zwei Videos: Der Vortrag und das eigentlich Konzert am nächsten Tag, bei dem Schiff alle sechs Partiten an einem Abend interpretierte.

(Zusammenstellung: uba)